Jul 28 18:11

Games'n'Politics: Zombies und Gesellschaftskritik in Videospielen

Michael Schulze von Glaßers Videoreihe "Games'n'Politics" wirft einen pointierten Blick auf die Schnittstellen zwischen Spielen, Gesellschaft und Politik. Auf VGT ergänzt Michael seine Videoserie um erweiternde Texte zum Thema. 

7.483 Tote“ heißt es in der oberen linken Ecke des Bildschirms. Durch das Bild fährt eine feuerspeiende Dampfwalze – Blut spritzt, die Zahl steigt. Moralische Bedenken gegen das Gemetzel muss man als Spieler von Dead Rising 3 aber nicht haben. Denn die, deren Eingeweide sich vor einem verteilen, waren sowieso schon tot: Sie waren Zombies.

Jul 27 18:04

Early Access: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben

1665

Noch vor wenigen Jahren war eines quasi Gesetz: Wer ein Spiel entwickeln wollte, brauchte tiefe Taschen. Konzeption, oft jahrelange Entwicklung, Werbung, Vertrieb - bis der erste Cent hereingespielt war, vergingen schon einmal Jahre. Nur finanzstarke Publisher konnten “ihren” Entwicklern jahrelange Produktionszeiten vorfinanzieren. Zugleich gewährte man in sorgfältig orchestrierten Preview-Events ausgewählten Medien exklusiven Zugang zu den halbfertigen Titeln, damit diese bei der Leserschaft für die nötige Vorfreude - und die essentiellen Vorbestellungen - sorgen sollten. Der Tag des Releases entschied dann allzu oft über Gedeih und Verderb der Entwickler, die dem “großen Tag” traditionell unter oft menschenunwürdigen Crunch-Bedingungen entgegenmalocht hatten.

Das Gegenmodell wurde vom wohl aktuell erfolgreichsten Indie-Spiel der Welt populär gemacht: “Minecraft” , die über 50 Millionen Mal verkaufte Lego-Sandbox des schwedischen Entwicklers Markus “Notch” Persson, bot Spielern bereits Mitte 2009 die Möglichkeit, für niedrige 10 Dollar die unfertige Alphaversion des Spiels auszuprobieren - die “Alpha-Funder” mussten überdies bei Fertigstellung dann keinen Aufpreis auf das fertige, teurere Spiel bezahlen.

Jul 26 09:46

Inderst legt nahe 260714

1635

Rudolf Inderst kennt alle Ecken des Internets und nennt uns ab sofort einmal wöchentlich drei lohnende Destinationen.

Zu dem Thema „Hacker“ fällt mir eines sofort ein: „Hacker Pschorr“ – eine Münchner Brauerei. Nun, mit diesem „Fachwissen“ bin ich aber nicht alleine, denn offensichtlich verstanden die Filmmacher vergangener Jahrzehnt vom Hacken auch nicht viel mehr (böse Zungen munkeln, dass dies heute nicht grundlegend anders sei!). Kotaku hat eine YouTube-Clip aufgetan und ein wenig aufbereitet, der sich des Themas „Hacken in 1980er-Jahre-Filmen“ amüsant annimmt.

Jul 25 18:44

Ceci n'est pas un Mountain

1660

Ich habe auch auf fm4 Allgemeineres zu Mountain geschrieben; wer also gar nicht weiß, wovon ich hier schreibe, möge dort beginnen. 

Schon anlässlich Dan Pinchbecks Spielen - hauptsächlich Dear Esther und Amnesia: A Machine for Pigs - habe ich anerkennend von den Qualitäten eines Spiels gesprochen, das seine Rezipienten nicht an der Hand nimmt und ihnen die "richtige" Interpretation zeigt, wie es, von Christof damals zu Recht beklagt, etwa Gone Home zu tun müssen glaubte. An Mountain, diesem seltsamen kleinen Faszinosum, zeigt sich nun erneut eine Eigenschaft, die im Medium Videospiele selten zu finden ist: Offenheit.

Jul 23 16:50

Games Pop: Dwarf Fortress

Summer of Games Music! In den warmen Monaten versorgt euch VGT ab sofort in unregelmäßigen Abständen mit Games-Musik. Games-Pop-Trackwunsch? Sag's uns auf Twitter

Wer jemals Dwarf Fortress gespielt hat, wird den von Toady One höchstpersönlich auf der Gitarre eingezupften Sound wie ich hier so tief im Gehirn verankert haben, dass sich fast automatisch als Pawlow'scher Reflex ein leicht entrückter Blick, Flow-Echos und die unbestimmte Lust auf Plump-Helmet-Wine einstellen werden. Im Ernst: Diese Melodie, die gar keine ist, diese musikalische Meditation hat sich Hunderttausenden Spielern fest in die Synapsen gebrannt. 

Wie Dwarf Fortress selbst ist auch das Gitarrengezupfe hier für InfizierteKenner sozusagen ein Hauch aus der prozeduralen Tiefe: Verschlungen wie ein Fraktal, aber doch eingängig, irgendwie melancholisch (ach, die unzähligen Opfer ... darf gar nicht dran denken), und dennoch von jenem handfesten, unerschütterlich lakonischen Willen zum Weitermachen getragen, der DF so auszeichnet. Ich bemerke, ich komme ins Schwärmen. Die schönste Musik zum Spiel. Ein Endlosloop, der hunderte Stunden laufen kann. Für immer.

Jul 19 16:02

Inderst legt nahe 190714

1635

Rudolf Inderst kennt alle Ecken des Internets und nennt uns ab sofort einmal wöchentlich drei lohnende Destinationen.

Destiny doesn't allow!

Wahrnehmung ist eben doch mehr als die Hälfte der Miete. Die Macher des angeblich 500 Millionen USD-teuren SciFi-Shooters Bungie erklärten nun, weshalb Cross-Plattform-Spielen nicht möglich sei. Gut, an die Utopie, dass man endlich eine gemeinsame Runde zwischen Sony und MS aufsetzen würde können, hatte sowieso niemand geglaubt (vielleicht höchstens ich als T. Morus der Industrie!). Aber Xbox One und Xbox 360 vielleicht? Nein, denn: "Regardless of where the reality isthere's definitely a perception among gamers that better hardware means you have an advantage (...). We don't want to have to enter that fray, so to create the best, most level playing field, both actually and perceptually, we separated it by platform." Nehmen wir das so hin? Wenn die Unterschiede in den Versionen wie bei Titanfall ausfallen, wird DAS wohl ziemlich schwierig. Heilige Psychologie, Batman!

Jul 18 10:45

DayZ bricht mir das Herz

1657

Dieser Text erschien zuerst für WASD#5 und im Anschluss für SpiegelOnline. Fotos von Elfi Sigl.

Es fällt mir schwer, DayZ zu spielen. Nicht wegen der Zombies, die diese Survival-Sandbox bevölkern, und auch nicht wegen der menschlichen Mitspieler, die sich hier noch mehr gegenseitig Wolf sind als anderswo. Ich wandere in der mir so gut bekannten goldenen Spätherbstnachmittagssonne auf einen Waldrand zu, überquere ein Feld oder blicke von einem eben erklommenen Hügel zurück auf die sanft geschwungene, bewaldete Welt hinter mir und es geschieht: Ein leichter Schwindel der Desorientierung, ein trockenes Gefühl im Mund, das plötzliche Bemerken, wie mir das Herz bis zum Hals pocht. Es ist ein Gefühl der Traurigkeit, der körperlichen Sehnsucht und eines abstrakten Abschiedschmerzes. Es ist ein Gefühl von Heimweh.

DayZ bricht mir das Herz.